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Heft 1-2021 | FEINDBILD JOURNALIST
Interview mit Netflix-Chefin Sasha Bühler: Attraktiver deutscher Markt, der Wachstum generiert
© James Gillham/StillMoving.net
Interviews

Interview mit Netflix-Chefin Sasha Bühler: Attraktiver deutscher Markt, der Wachstum generiert 

Netflix – der Riese unter den Streamingplattformen, wurde 1997 in Kalifornien gegründet und hat inzwischen mehr als 1000 Filme in der digitalen Videothek im Angebot. Bis Dezember 2020 wurden bei Netflix über 203 Millionen Abonnements abgeschlossen. Für den globalen Player ist der deutsche Markt attraktiv und wichtig, denn hier wird Wachstum generiert. Netflix steht mit Amazon Prime, YouTube und großen Unterhaltungskonzernen wie Disney oder Warner im Wettbewerb. NITROhat mit Sasha Bühler, Director International Film von Netflix, über die Zusammenarbeit mit deutschsprachigen Talenten und Filmschaffenden gesprochen, ob sich Kino und Streaming ausschließen und die gute Partnerschaft mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

? Streamingdienste sind en vogue – Netflix ist der größte und bekannteste Streamingdienst. Ist Deutschland für Netflix ein attraktiver und vor allem ein wachsender Markt?

! Natürlich, die deutschsprachige Region ist ein sehr wichtiger Markt für uns. Das zeigen auch unsere Investitionen, die wir in den letzten Jahren spürbar erhöht haben. Wir produzieren vermehrt lokale Inhalte. Ich arbeite derzeit etwa an „Im Westen nichts Neues“, einem Antikriegsfilm unter der Regie von Edward Berger, mit einem großartigen deutschen Cast. Das ist ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt. Genauso wie die Verfilmung von „Munich“ (AT) nach dem Bestseller von Robert Harris mit Jeremy Irons in der Hauptrolle. Regisseur ist Christian Schwochow. Oder aber „Army of Thieves“, bei dem Matthias Schweighöfer nicht nur Regie führt, sondern auch die Hauptrolle spielt und gleichzeitig auch Produzent ist. Außerdem wird die großartige Peri Baumeister in „Blood Red Sky“, inszeniert von Peter Thorwarth, in ihrer Rolle als fürsorgliche Mutter und blutrünstige Vampirin, in diesem Sommer auf Netflix zu sehen sein. Darüber hinaus sind es allein in meinem Slate vier Projekte, die demnächst Drehstart haben, ein weiteres wurde gerade abgedreht, und viele sind in Entwicklung. Wir sind überzeugt, dass deutsche Geschichten das Potenzial haben, auch auf der ganzen Welt gesehen zu werden. Gleichzeitig wächst unser deutschsprachiges Team in Berlin – auch ich werde im Herbst nach Berlin ziehen. Das hilft uns enorm dabei, noch enger mit herausragenden deutschsprachigen Talenten und Filmschaffenden an neuen Geschichten zu arbeiten.

? Mit welchen Strategien will Netflix seinen größten Konkurrenten Amazon Prime „in Schach halten“? Amazon ist ja ebenso wie Netflix auf Erfolgskurs und wird sich sicher nicht so leicht bremsen lassen.

! Wir hatten schon immer einen starken Wettbewerb um die Zeit unserer Mitglieder. Neben Amazon Prime und YouTube sind das auch große Unterhaltungskonzerne wie Disney oder Warner. Das hat uns stets besser gemacht. Wir schauen auf uns selbst und konzentrieren uns darauf, unseren Abonnentinnen und Abonnenten großartige Shows und Filme sowie ein vielfältiges Format- und Genre-Angebot anzubieten.

? Die Anzahl der Neukunden von Netflix in Deutschland ist im vergangen Corona-Jahr enorm gestiegen – es sollen mehr als eine Million neue Abos abgeschlossen worden sein. Ist Deutschland Ihrer Meinung nach auch in Zukunft ein Wachstumsmarkt, und ist Netflix mit dieser Steigerung zufrieden?

! Die DACH-Region ist mit knapp 100 Millionen Einwohnern ein großer Zukunftsmarkt für uns. Wir interessieren uns sehr für lokale Geschichten; für Geschichten, die ganz typisch für den deutschsprachigen Raum sind. Geschichten, die sich authentisch anfühlen. Und natürlich erzählen wir solche Geschichten mit den Kreativen, die hier zu Hause sind. Dabei geben wir ihnen so viel Gestaltungsfreiheit wie möglich und sind offen für neue, mutige Ideen.

? Sicher haben nicht nur in Deutschland viele Nutzer neben einem Netflix zusätzlich ein Amazon-Abo, sie pendeln also zwischen zwei Streamingdiensten hin und her. Ist das für Netflix ein Problem oder kümmert Sie die Konkurrenz nicht?

! Wir wissen, dass viele unserer Zuschauerinnen und Zuschauer mehrere Streamingdienste abonniert haben, und sehen überhaupt kein Problem darin. Uns ist wichtig, dass wir gute Argumente für ein Abonnement bei uns liefern. Deshalb versuchen wir erstklassige Unterhaltung für jede Gelegenheit zu bieten.

? In der monatlichen Abogebühr sind alle auf Netflix verfügbaren Inhalte enthalten. Auf wie viele Inhalte können die Nutzer derzeit zurückgreifen, und wie viele Serien und Filme kommen jedes Jahr hinzu?

! Unser Katalog verändert sich natürlich andauernd, da Lizenzen auslaufen und ständig neue Titel hinzukommen. Deshalb treffen wir für gewöhnlich keine Aussagen über die Gesamtmenge an unseren Inhalten auf Netflix. Unsere Mitglieder können sich aber sicher sein, dass wir für jeden Geschmack und jeden Anlass den richtigen Titel in petto haben.

? Profitieren Sie als Streamingdienst seit der Corona-Pandemie davon, dass die Kinos geschlossen sind, oder waren die schon vor der Pandemie keine Konkurrenz für Netflix?

! Wir alle bei Netflix sind große Kinofans und hoffen, dass die Pandemie bald vorbei ist, damit wir wieder ins Kino gehen können. Uns alle in der Filmbranche eint unsere Begeisterung für filmische Inhalte und faszinierende Geschichten. Und wir alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: diese Begeisterung auf die Zuschauerinnen und Zuschauer zu übertragen. Netflix ist und war schon immer ein additives Angebot zum Kino. Wir glauben, dass Kinobesuche und Streaming sich ergänzen, ebenso wie Fernsehen und Kinovorstellungen dies schon seit Jahrzehnten tun.

? Netflix setzt sehr stark auf Eigenproduktionen und setzt diese auch erfolgreich mit deutschen Produktionsfirmen um. Stimmt es, dass erfolgreichen Produzenten und Drehbuchautoren mit ihren Stoffen bei Netflix „Schlange stehen“? Bietet Netflix so attraktive Bedingungen oder wie erklären Sie sich die offensichtliche Abkehr vom linearen zum non-lineraren Ausspielweg?

! Natürlich möchten wir, dass deutschsprachige Filmschaffende, Kreative und Talente gerne mit uns zusammenarbeiten. Deshalb sind wir offen für neue Konzepte und Ideen. Zusätzlich versuchen wir, die organisatorischen Hürden der Produktionsverwaltung für Darsteller und Crews zu verringern. Deshalb stellen wir den Filmemachern ein Arbeitsumfeld bereit, in dem sie sich wirklich auf ihre kreative Arbeit fokussieren können. Und schließlich geben wir Filmschaffenden aus dem deutschsprachigen Raum eine internationale Bühne. Für sie ist es eine Möglichkeit, ein Publikum auf der ganzen Welt leichter als je zuvor zu erreichen.

Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe.

Sasha Bühler ist seit Dezember 2019 Director International Films bei Netflix. Bei Constantin Film arbeitete sie elf Jahre als Head of Acquisitions and International Co-Productions. Davor war sie Head of Acquisitions bei SquareOne Entertainment. Aufgewachsen in den USA, ist sie Absolventin des Vassar College und lebte 30 Jahre in Deutschland, bevor sie kürzlich für ihre derzeitige Position nach London zog. Sashas Bühlers berufliche Laufbahn: Nachrichtenbereich, Dokumentationen, Animationen und Spielfilme.

 

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