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Heft 22 Interviews

“„Kein Medium ist schlimmer als BILD!“”

„Kein Medium ist schlimmer als BILD!“

BILDblog ist ein, nein, ist das Watchblog, das sich die medienkritische Begleitung der BILD zur Aufgabe gemacht hat. Seit 2004 am Start, hat nach einer Dekade Mats Schönauer die Chefredaktion übernommen. Schönauer hat in Dortmund Journalistik studiert und kam 2013 nach Berlin, wo er seitdem als Blogger arbeitet. Vor drei Jahren gründete er zusammen mit Moritz Tschermak das Blog topfvollgold, in dem sich die beiden den Markt der Regenbogenpresse in Deutschland genauer ansahen. 
Unter den Bloggern sprach sich herum, dass Mats und Moritz nicht nur eine super Schreibe haben, sondern kein Blatt vor den Mund nehmen.

ΝITRO sprach mit dem 27-Jährigen über seinen Job bei BILDblog, über den Chefredakteur von BILD online, Julian Reichelt, und die Auflage der BILD, die sich auf Talfahrt befindet.

? Mats Schönauer, wollten Sie immer Onliner oder Blogger werden?

! Eigentlich wollte ich Printjournalist werden. Ich habe bei der Westfälischen Rundschau volontiert, die inzwischen zu einer Zombie-Zeitung mutiert ist. Im Januar 2013 wurden dort 120 Journalisten entlassen, und ich habe geholfen, die Kisten der Redakteure aus der Redaktion zu tragen. Das war echt deprimierend.

? Wann haben Sie begonnen, sich für Online zu interessieren?

! Während des Studiums bin ich auf BILDblog aufmerksam geworden. Ich fand es super, dass es so ein Korrektiv für Journalisten gibt – und dann diese Sprache und die ganze Art des BILDblogs, das fand ich unheimlich cool.

? Zu dieser Zeit hatte Stefan Niggemeier BILDblog schon abgegeben?

! Ja. Stefan hat BILDblog 2010 an Lukas Heinser als Chefredakteur übergeben. 2012 habe ich Lukas dann einen Beitrag geschickt, den ich sehr wütend runtergeschrieben hatte.

? Worum ging es, was hat Sie so wütend gemacht?

! Ein elfjähriges Mädchen war in Emden umgebracht worden, und ich hatte durch Zufall die Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft gesehen. Der Staatsanwalt bat die Journalisten, den Namen des Mädchens aus Respekt vor den Angehörigen nicht zu veröffentlichen, falls sie ihn erfahren. Und dann hat der Staatsanwalt den Namen des Kindes – vermutlich aus Versehen – in einem Nebensatz selbst genannt. Am nächsten Tag haben sehr viele Medien den Namen abgedruckt. Obwohl sie ausdrücklich darum gebeten wurden, den Wunsch der Eltern zu respektieren. Ich bekam echt einen Hals und hab in der Nacht darauf sämtliche Medien gesammelt, viele Screenshots gemacht und dann einen langen Hinweis an BILDblog geschickt. Lukas schrieb zurück, ob ich noch andere „Hobbys“ hätte. So bin ich mit BILDblog in Kontakt gekommen. Etwas später habe ich Stefan Niggemeier auf einer Podiumsdiskussion getroffen und lange mit ihm geredet. Danach habe ich angefangen, für BILDblog als Autor zu schreiben und bald intensiv mitgearbeitet. 2014 fragte mich Lukas, ob ich Chefredakteur von BILDblog werden will.

? War für Sie sofort klar, dass Sie das machen?

! Nicht sofort, ich brauchte ein wenig Bedenkzeit, aber ich sagte relativ schnell zu. Zu dieser Zeit war ich kurz vor dem Abschluss meines Studiums, habe aber schon viel mitgebloggt. Nach dem Studium bin ich sofort nach Berlin gezogen und wurde 2014 Chefredakteur.

? Stefan Niggemeier war so etwas wie eine Leitfigur für Sie?

! Auf jeden Fall. Schon während des Studiums habe ich alles von ihm gelesen. Ich mag seinen Schreibstil, und meistens stimme ich auch inhaltlich mit ihm überein. Wir sitzen jetzt zusammen in einem Büro und tauschen uns über Geschichten aus, und da entstehen immer wieder Ideen für neue Projekte. Es macht großen Spaß, mit ihm zu arbeiten.

? Er ist Inspirator?

! Auf jeden Fall. Ohne Stefan und Lukas wäre ich sicher nicht im Medienjournalismus gelandet. Wahrscheinlich wäre ich Reporter im Print geworden. Oder Taxifahrer.

? Für BILDblog zu schreiben heißt auch, sich unbeliebt zu machen. Ist das problematisch für Sie

! Überhaupt nicht. Wir kritisieren ja nicht aus Spaß, sondern weil wir es für angebracht und notwendig halten. Dabei ­bemühen wir uns, sorgfältig zu arbeiten und fair zu argumentieren. Ich finde, solche Kritik müssen Journalisten aushalten.

? Ist BILDblog der „Stachel im Fleisch der BILD-Zeitung“.

(…)

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