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Aktuell Heft 34 Interviews

“Die Wohlstandsillusion”

Die Wohlstandsillusion

Daniel Stelter gilt als Deutschlands profiliertester unabhängiger Ökonom – er leitet kein Wirtschaftsinstitut, hat keinen Uni-Lehrstuhl und wird durch keine politische oder parteinahe Stiftung finanziert. Mit schonungsloser Offenheit betreibt er sein finanz- und wirtschaftspolitisches Forum beyond the obvious. Stelter ist Autor zahlreicher Sachbücher und publiziert regelmäßig Kolumnen auf manager magazin online, WirtschaftsWoche Online, Focus Online und im Politikmagazin Cicero. NITRO hat mit ihm über sein neues Buch „Das Märchen vom reichen Land“ gesprochen.

? In Ihrem aktuellen Buch „Das Märchen vom reichen Land“ werfen Sie der Politik und den Medien Etikettenschwindel vor. Wie entstand die Idee zu diesem Buch?

! Beim Radiohören, genau genommen morgens beim Hören des Deutschlandfunks. In den „Informationen am Morgen“ sagen Politiker mehrfach in der Woche: Ein reiches Land wie Deutschland sollte doch …“ mehr für Bildung ausgeben, mehr für arme Kinder, mehr für Rentner, mehr für humanitäre Hilfe, man könnte das so fortsetzen. Jeder Mensch mit Herz findet das zunächst richtig. Deshalb fordern das Politiker, und Journalisten lassen es unkritisch stehen, statt nachzufragen, wie diese „Wünsche“ finanziert werden sollen – denn solche Antworten bleiben Politiker gern schuldig. Es wird suggeriert, Deutschland hätte einen riesigen Geldspeicher, der sich automatisch füllt. Dem ist aber nicht so.

? Aber Deutschland ist doch Exportweltmeister …

! … Exportweltmeister richtig, schon wieder so ein Wort mit großer Suggestionskraft. Aber was bedeutet das? Wir exportieren mehr Waren und Dienstleistungen, als wir importieren. Als Exportweltmeister exportieren wir aber nicht nur Waren, sondern auch Geld ins Ausland. In Zeiten globaler Verschuldung mit ungewisser Rückzahlung ist es nicht besonders klug, Kreditgeber zu sein.

? Woran liegt es, dass Deutschland reicht wirkt, aber Ihrer Meinung nach gar nicht so reich ist?

! Wenn Sie mit offenen Augen durch Deutschland gehen, sehen Sie kaputte Straßen, die Digitalisierung ist ein Desaster, die Bahn funktioniert nur mangelhaft, Kinder leben in Armut, Bildung ist ungleich. Was wir beobachten können, ist also nicht deckungsgleich mit dem, was man von einem reichen Land erwartet. Hinzu kommt, dass vielen Politikern wirtschaftliches Verständnis fehlt, und auch viele Menschen verwechseln Einkommen mit Vermögen. Was Menschen verdienen und was sie als Vermögen besitzen, sind zwei ganz unterschiedliche Dimensionen.

? Reichtum ist aber auch eine Frage des Blickwinkels. Vergleichen wir uns mit einem afrikanischen Land, sind in Deutschland sicher viele Menschen „reich“. Vergleichen wir uns mit Kanada, Schweden oder Norwegen …

! … oder den USA oder der Schweiz.

? Es liegt also doch am Blickwinkel?

Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen Heft.

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