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Heft 21 Interviews

“Übermedien reden”

Die neue Medienkritik-Website von Stefan Niggemeier und seinem Kompagnon Boris Rosenkranz ist Anfang 2016 gestartet. Ganz wichtig: Website, nicht Blog. Niggemeier und Rosenkranz wollen mit Übermedien.de die Medienkritik zum Fulltimejob machen und verkaufen Abos zu 3,99 Euro pro Monat. Mit NITRO sprach Stefan Niggemeier über zu viel Meinung in den Medien, über seinen Tunnelblick und den Wunsch, von Übermedien gut leben zu können.

? Übermedien – was bedeutet das: Du berichtest über Medien oder Du stehst über Medien?

Übermedien bedeutet: Wir berichten über Medien. Wer möchte, kann da natürlich noch ein bisschen mehr hineininterpretieren. Aber nein, so größenwahnsinnig bin ich dann doch nicht. Wir berichten über Medien, Punkt!

? Wer sind denn wir?

!  Boris Rosenkranz und ich. Wir beide sind Übermedien, wir haben uns das alles ausgedacht. Unser Plan ist natürlich, wenn alles gut läuft, viele Leute bei uns zu beschäftigen.

? Die Zeit nennt Dich den Journalistenflüsterer. Kannst Du mit diesem Titel etwas anfangen?

! Weiß ich nicht. Ich habe ein bisschen gefremdelt beim Lesen, denn was der Beitrag beschreibt, ist ziemlich das Gegenteil von dem, was wir wollen. Die These des Textes, wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist: Die Einzigen, die sich wirklich für differenzierte Medienkritik interessieren, sind Journalisten und damit auch die Einzigen, die bereit sind, dafür zu zahlen. Ich hoffe, der Autor hat unrecht, denn wir möchten keinen neuen Branchendienst auf den Markt bringen, sondern vor allem Leser, Zuhörer, Zuschauer erreichen, die kritisch mit den Medien umgehen und mehr über Hintergründe erfahren möchten. Ich hoffe, dass sich genug Leute finden, die für diese Informationen Geld ausgeben.

? Pferdeflüsterer sind ja eigentlich dazu da, kranken Tieren zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Als Journalistenflüsterer hieße das, Du müsstest armen geschundenen Journalisten ins Ohr flüstern: Ihr seid eigentlich toll.

! Wenn damit gemeint ist, dass wir Medien kritisieren sollten, um sie dadurch besser zu machen – warum nicht. Ich würde mir dieses Etikett jetzt aber trotzdem sehr ungerne anheften. Das hat so was von Wunderheiler.

? Außerdem liegt Dir das Flüstern ja eh nicht so.

! Im Moment liegt mir das Leise aber mehr als das Laute, denn in den Medien gibt es nichts anderes mehr, und auch die Medienkritik ist total überdreht. Da halte ich mich gerne mal zurück, will nicht noch zusätzlich provozieren.

? Bildblog, Krautreporter, Niggemeier-Blog, jetzt Übermedien: Bist Du einer, der sich immer neu erfindet? Oder willst Du mit neuen Ideen auf die veränderten Zeiten reagieren?

! Ich glaube, beides. Also Bildblog war der Beginn von allem. Nach etwa sechs Jahren hatte ich dann aber das Gefühl: Okay, das reicht, ich habe alles gesagt. An Mats Schönauer, der den Bildblog jetzt macht, kann man das sehr gut beobachten: Der bringt noch eine frische Wut mit. Der schlägt die Bild auf und stöhnt: NEIN! Das kann doch nicht wahr sein! Diese Wut hatte ich nach zehn Jahren nicht mehr, sondern einen richtigen Widerwillen, mich mit diesem Mist zu beschäftigen.

? Und wie lief es bei den Krautreportern?

! Krautreporter war für mich der erste Versuch, mich mit dieser Idee von Paid Content auseinanderzusetzen. Schon ein halbes Jahr, bevor Sebastian Esser auf mich zu kam, hatte ich überlegt, wie ich mit meinem Blog Geld verdienen kann. Die Krautreporter-Idee gefiel mir auch sehr gut, und ich war bereit, sie gemeinsam mit anderen auszuprobieren. Das hat für mich aber so nicht funktioniert, denn jeder machte sein Ding, es entstand keine redaktionelle Einheit, und die Leser sind daraus auch nicht richtig schlau geworden. Ich habe dabei trotzdem viel gelernt und versuche eben jetzt, mein eigenes Ding zu machen.

? Im Januar ging Übermedien an den Start. Wie ist es denn angelaufen?

! Ganz gut, aber für Statistiken ist es noch zu früh. Auf jeden Fall steigt die Zahl der Abonnenten, es gibt eine Reihe von Beiträgen, die eine hohe Aufmerksamkeit erzielen und uns bekannt machen.

? Wie viel kostet ein Abo?

! 3,99 Euro im Monat, und es ist jederzeit kündbar. Wir legen großen Wert darauf, dass die Nutzer nur angenehme Erfahrungen mit uns machen und nicht Verträge abschließen, aus denen sie nicht so einfach wieder herauskommen.

? Übermedien gibt ja im Moment noch vor allem über sich selbst Auskunft. Das Gespräch, das Du mit Giovanni di Lorenzo geführt hast, feiert MEEDIA als Glanzstück bei Übermedien, als großes Meta-Meta-Interview über Medienkritik im Allgemeinen und Niggemeier im Speziellen. Geht’s auch eine Nummer kleiner?

! Im Moment scheinen wir alle ein bisschen zwischen den Stühlen zu sitzen. Mir geht es jedenfalls so, denn die harsche Kritik an allen Medien halte ich für derart übertrieben, dass ich an manchen Stellen auch eher zum Medienverteidiger als zum Medienkritiker tendiere.

? Wer sind denn Deiner Meinung nach zu scharfe Kritiker?

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