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Heft 1-2021 | FEINDBILD JOURNALIST
Journalisten als Zielscheibe
(c) Rogier Veldman
Feinbild Journalist

Journalisten als Zielscheibe 

Übergriffe auf Redakteure, die bedroht, angepöbelt und geschlagen werden, gibt es nicht nur in Deutschland. Die Reporter des niederländischen Senders NOS werden seit vergangenem Jahr sogar unter bestimmten Umständen von Personenschützern bei ihrer Arbeit begleitet. Aus Angst vor Übergriffen entfernte der Sender im vergangenen Oktober alle Logos und Schriftzüge von seinen Übertragungswagen. NITROsprach mit dem Chefredakteur von  NOS über die Situation der Journalisten des Fernsehsenders und fragte: War die Entscheidung, die NOS-Logos von den Sender-Fahrzeugen zu entfernen, der richtige Schritt, um die Sicherheit von Journalisten zu gewährleisten?

 

? Marcel Gelauff, Journalisten geraten in Deutschland immer wieder in bedrohliche Situationen, sei es gegen ihre körperliche Unversehrtheit, oder sie werden bespuckt und beleidigt. 2020 gab es in Deutschland 252 Vorfälle dieser Art, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Wie sieht die Situation in den Niederlanden aus?

! In den Niederlanden beschäftigen wir uns schon länger mit der Sicherheit von Journalisten. Bereits 2019 haben wir die Plattform www.persveilig.nl (Deutsch: Sichere Presse) ins Leben gerufen. Dies geht auf eine Initiative des NVJ (die Niederländische Journalistengewerkschaft), der Vereinigung der Chefredakteure, der Polizei und des Justizministeriums zurück. Grund waren verstärkte Übergriffe auf Journalisten. Seitdem haben wir über hundert Meldungen von Kollegen bekommen, die uns von Vorfällen berichten. Natürlich meldet nicht jeder Journalist jeden Vorfall, also bildet die Zahl nicht die ganze Realität ab. Aber sie demonstriert doch recht anschaulich die Entwicklung. Das ist auch die Absicht, die hinter diesem Projekt steht: deutlich zu machen, dass die Ausübung unseres Berufs schwieriger geworden ist und dass wir uns mit einer Menge Sicherheitsmaßnahmen auseinandersetzen müssen.

? Sie selbst haben im vergangenen Jahr weitere Maßnahmen beim NOS umsetzen lassen, zum Beispiel wurden die Sender-Logos von Fahrzeugen entfernt, um Mitarbeiter zu schützen. Was ist da passiert?

! Wir haben damit im Oktober 2020 damit begonnen, die Entscheidung zur Umsetzung fiel aber bereits im Sommer 2020. Wir haben uns dafür entschieden, weil es für unsere Techniker nicht mehr sicher war, sich mit den Fahrzeugen in der Öffentlichkeit zu bewegen. Sie waren immer wieder Zielscheibe für Angriffe, nicht täglich natürlich, sondern vor allem bei größeren Menschenansammlungen, wie Demonstrationen. Es gab aber auch Vorfälle, etwa auf der Autobahn, dass sich jemand mit seinem Auto vor ein NOS-Fahrzeug setzte und versuchte, es auszubremsen. Jeder kann sich vorstellen, was geschehen kann, wenn sich ein PKW vor einen schweren NOS-LKW setzt und dann auf die Bremse tritt. Wenn die Kollegen auf Produktionen waren, wurde gegen die Fahrzeuge getreten oder uriniert oder die Kollegen wurden beschimpft und obszöne Gesten gezeigt. Die Mitarbeiter haben sich schlicht nicht mehr sicher gefühlt. Nicht nur wegen dem, was konkret passiert war, sondern auch, was womöglich noch passieren könnte!

? Haben diese Maßnahmen wenigstens etwas gebracht?

! Ja, in der Tat. Nicht nur, dass die Mitarbeiter sich jetzt sicherer fühlen, denn tatsächlich ist die Anzahl der Vorfälle zurückgegangen. Wir haben jetzt bei Demonstrationen von Fall zu Fall auch Sicherheitspersonal dabei. Insgesamt kann man durchaus sagen, dass es funktioniert und uns die Vorkehrungen bei der Berichterstattung helfen. Aber zugegeben, es sind nicht die Maßnahmen, die man sich als Nachrichtensender wünscht. Denn wir wollen ja sichtbar sein, wir möchten, dass man uns erkennt. Ich war vor kurzem auf einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. Wir gehen da nicht mehr mit leicht erkennbarem Kamera-Equipment rein, außerdem halten wir einen gewissen Abstand. Wir haben immer im Hinterkopf, wie wir uns und unsere Kollegen schützen können, während wir unseren Beitrag drehen. Leider ist das notwendig.

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