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Heft 4-2023 | KI und die Zukunft der Arbeit
Der Journalismus schafft sich ab
Aktuell

Der Journalismus schafft sich ab 

Längst ist die Künstliche Intelligenz in den journalistischen Alltag eingezogen. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich: Von Geldgier über Zeitgewinn bis zu sozialer Not ist alles geboten. In einem Test gibt sich die KI sogar selbstkritisch; und Schleichwerbung kann sie nicht.

Wenn jemand den Journalismus töten will, dann sollten wir es selbst tun“[1] – ein mediengerecht inszeniertes Zitat von Mathias Döpfner aus dem Frühjahr 2023. Visio­när ist der Satz, der auf die Verwendung von KI im Journalismus bezogenen ist, jedenfalls nicht. Er unterstreicht nur die Aktivitäten des Axel Springer CEO, mittels eines extra dafür geschaffenen „Kompetenzzentrums für Fusionen und Übernahmen“ ein KI-Unternehmen zu finden, das zur Übernahme taugt.

„Den Journalismus töten“ – es ist ja nicht so, als hätten BILD und Co. nicht längst daran gearbeitet. Und doch: Der Untergang des Journalismus, spätestens mit dem Siegeszug des Internets beklagt, wird nun zur bitteren Realität. Aber warum ist das so? Da ist zum einen die stete Verführung, weiter Kosten zu reduzieren. Das triggert die Verlagskaufleute mit einer Variablen im Vertrag, die sie an jeder Einsparungsmaßnahme partizipieren lässt, so sehr, dass nun die Künstliche Intelligenz als digitaler Kehrbesen durch die eh schon ausgedünnten Redaktionsflure fegt. Sport-, Börsen und Wettermeldungen aus der „Maschine“ waren da nur die harmlose Vorhut.

Ebenso wie Burdas erste KI-generierte Kochzeitschrift. Denn nun gehören auch Fotos und Bewegtbilder zu den Presseerzeugnissen, die sich mittels KI zur Produktion von (Fake) News nutzen lassen. Stockfotos sind im Grunde jetzt schon tot, man will es nur nicht wahrhaben. Wie der Künstler Boris Eldagsen im Interview mit NITRO-Herausgeberin Bettina Schellong-Lammel berichtete (siehe S. 10 in dieser Ausgabe), sei der Umbruch im Fotojournalismus längst im Gange, und es würden von Fotografen bereits KI-generierte Bilder verkauft, ohne dass diese als solche gekennzeichnet seien. Einer der Gründe: die schlechte Bezahlung der Fotografen. Geht eigentlich noch mehr Ironie des Schicksals?

Ja, es sind eben auch die Journalisten selbst, die seit langem zur Abschaffung ihres Berufs beitragen. Aus Anzeigenseiten werden etwa sogenannte „Advertorials“. Seiten, die so aussehen wie ein redaktioneller Beitrag, aber Werbung transportieren. Oder in Gesundheitsartikeln wird über die Ursachen von Kopfschmerzen schwadroniert, und dabei werden wie beiläufig Produktnamen gestreut („z. B. Aspirin“), der Anzeigenkunde wünscht es so.

Die berühmt-berüchtigten Reisen von Autoredakteuren und Touristik-Journalisten, die von Herstellern und Kunden bezahlt wurden, waren da nur ein Anfang. Journalistische Grundsätze verschwanden bei den meisten spätestens mit dem Business­class-Ticket der Lufthansa, das eines Tages auf dem Schreibtisch lag. All das ist nun gar nicht mehr nötig. Es muss niemand mehr gekauft werden. Kollege KI braucht keine Fernreisen, nicht mal ein Büro und auch keine Gehaltserhöhung oder gar Krankengeld. Nur Strom, Internetzugang und einen „Prompter“, der ihn ab und an mit Fragen füttert. Ein KI-Pfleger sozusagen.

Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat sich für den Umgang mit der Künstlichen Intelligenz extra sogenannte „5 KI-Guidelines“ geschrieben.[2] So will sich die dpa beim Einsatz von KI unter anderem an geltendes Recht halten, ebenso an ethische Grundsätze und demokratische Werte. Auch ermuntert die dpa ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „sich offen und neugierig mit den Möglichkeiten von KI zu befassen, Tools zu testen und Vorschläge für die Nutzung in unseren Workflows zu machen“. Alles richtig. Zeit, eine KI zu Wort kommen zu lassen.

Fragen wir mal der Welt populärste KI, Chat GPT, welche Chancen und Risiken denn ein KI-basierter Journalismus birgt, wer KI bereits einsetzt und wie man KI-generierte Texte erkennt in maximal 5 000 Zeichen. Eine KI, die sich selbst entlarvt sozusagen. Die KI war verdammt schnell, die Antwort hat keine 30 Sekunden gedauert:

Künstliche Intelligenz im Journa­lismus: Chancen und Risiken

Die Rolle des Journalismus in unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Die Digitalisierung und das Internet haben den Zugang zu Informationen revolutioniert, und der Journalismus hat sich an diese neuen Gegebenheiten angepasst. Eine der aufregendsten Entwicklungen in diesem Bereich ist die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in den journalistischen Prozess. In diesem Artikel werden wir die Vorteile und Gefahren der Verwendung von KI im Journalismus beleuchten, praktische Anwendungsbeispiele betrachten und Tipps zur Erkennung von KI-generierten Texten geben.

Vorteile der KI im ­Journalismus

Effizienz und Geschwindigkeit: Eine der größten Stärken von KI im Journalismus ist die Fähigkeit, Informationen in Echtzeit zu verarbeiten. KI-Systeme können Nachrichtenströme überwachen, Muster erkennen und relevante Geschichten schneller identifizieren als menschliche Journalisten. Dies ermöglicht es, aktuelle Nachrichtenberichte in Rekordzeit zu veröffentlichen.

Automatisierte Berichterstattung: KI kann Berichte zu Standardthemen wie Sportergebnissen, Börsenentwicklungen oder Wettervorhersagen automatisch generieren. Dies spart Journalisten wertvolle Zeit, die sie für tiefer gehende Recherche und Analysen verwenden können.

Personalisierung: KI kann die Nachrichten an die Interessen und Vorlieben der Leser anpassen. Dies ermöglicht eine maßgeschneiderte Berichterstattung und eine bessere Benutzererfahrung.

Datenanalyse: KI kann große Datenmengen analysieren und Trends identifizieren. Journalisten können diese Erkenntnisse nutzen, um fundierte Geschichten zu erstellen und besser zu verstehen, was die Leser interessiert.

Übersetzungen und Mehrsprachigkeit: KI-Übersetzungssoftware ermöglicht es, Nachrichten in Echtzeit in verschiedene Sprachen zu übersetzen, wodurch die Reichweite von Nachrichtenorganisationen erweitert wird.

Gefahren und Herausforderungen

Qualitätskontrolle: KI-Texte können fehlerhaft sein, insbesondere wenn die zugrunde liegenden Daten inkorrekt sind. Es ist wichtig sicherzustellen, dass KI-generierte Inhalte eine ausreichende Qualitätskontrolle durchlaufen.

Bias und Ethik: KI-Modelle erlernen aus Daten und spiegeln manchmal unbewusste Vorurteile wider. Dies kann zu einer Verstärkung von Bias in Nachrichteninhalten führen. Es ist entscheidend, solche Voreingenommenheit zu erkennen und zu minimieren.

Jobverluste: Die Automatisierung von journalistischen Aufgaben kann zu Jobverlusten führen, insbesondere im Bereich der automatisierten Berichterstattung. Journalisten müssen sich daher weiterbilden und neue ­Fähigkeiten entwickeln.

Künstliche Manipulation: KI kann auch zur Erstellung gefälschter Nachrichten oder Deepfakes verwendet werden, was die Glaubwürdigkeit des Journalismus weiter untergraben kann.

Praktische Anwendungs­beispiele

Automatisierte Finanzberichterstattung: Nachrichtenagenturen wie Associated Press verwenden KI, um Quartalsberichte von Unternehmen in Sekunden zu analysieren und Berichte zu generieren.

Echtzeit-Übersetzungen: Newsrooms nutzen KI-Übersetzungssoftware, um Nachrichten in verschiedene Sprachen zu übersetzen und internationale Leser zu erreichen.

Themenidentifikation und Trendanalyse: KI-Tools können Trends in sozialen Medien erkennen und Journalisten bei der Identifizierung heißer Themen und Geschichten unterstützen.

Erkennen von KI-generierten Texten

Es kann schwierig sein, auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Text von einer KI oder einem Menschen geschrieben wurde. Hier sind ­einige Tipps zur Erkennung von KI-Texten:

Prüfen Sie die Quelle: Überprüfen Sie die Quelle des Artikels. Wenn er von einer bekannten Nachrichtenagentur oder einer seriö­sen Website stammt, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass KI im Spiel ist.

Stil und Tonfall: KI-Texte sind oft sachlich und informativ, aber es fehlt oft der kreative und persönliche Touch eines menschlichen Autors.

Verdächtige Fehler: KI-Texte sind normalerweise frei von Rechtschreibfehlern oder Grammatikproblemen. Wenn Sie auffällige Fehler bemerken, könnte das ein Hinweis ­darauf sein, dass ein Mensch beteiligt ist.

Recherchieren Sie den Autor: Suchen Sie nach dem Autor des Artikels. Wenn Sie keine Informationen über den Autor finden können, könnte es sich um einen Hinweis auf eine KI handeln.

Künstliche Intelligenz bietet zweifellos viele Vorteile für den Journalismus, von der Steigerung der Effizienz bis zur Personalisierung von Nachrichten. Dennoch sind auch Gefahren und ethische Herausforderungen zu beachten. Die Verwendung von KI im Journalismus erfordert eine sorgfältige Abwägung und die Einhaltung ethischer Standards, um sicherzustellen, dass der Journalismus weiterhin seine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft erfüllen kann.

Hätten Sie diesen Text als von der KI erstellt erkannt? Wahrscheinlich ja. Haben Sie den Beitrag überhaupt zu Ende gelesen? Wahrscheinlich nicht, oder? Es sei Ihnen verziehen, denn tatsächlich fehlt hier deutlich der „kreative und persönliche Touch eines menschlichen Autors“.

Interessant zudem, dass Chat GPT von „wir“ spricht. Die derzeitigen Einsatzzwecke von Sport- und Börsenmeldungen bis Wetterbericht sind korrekt definiert. Ebenso sind die Vorteile von KI klar erkannt, gerade bei Übersetzungen. Auch für Untertitelungen und Gebärdensprache wird KI in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, das ZDF testet aktuell gerade KI für diesen Einsatzzweck.[3]

Wie sieht es denn mit der Verwendung von Product Placement aus? Ist die KI da zimperlich? Lassen wir Chat GPT daher einmal einen Text generieren, in dem die Acetylsalicylsäure aka Aspirin vorkommen soll.

Frage: Bitte schreibe mir einen Text, der auf die Ursachen von Kopfschmerzen eingeht, in den du auf unauffällige Weise das Produkt Aspirin mit einstreust!

Chat GPT: Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele von uns gelegentlich betrifft. Es gibt verschiedene Ursachen für Kopfschmerzen, von Stress und Verspannungen bis hin zu Migräne und Erkältungen. Eines der bewährten Mittel zur Linderung von Kopfschmerzen ist das altbekannte Aspirin, ohne Zweifel eines der bekanntesten Schmerzmittel auf dem Markt.

Stress kann eine häufige Ursache für Kopfschmerzen sein. Der Druck, dem wir im Alltag ausgesetzt sind, kann sich in Form von Verspannungen im Nacken und den Schultern äußern und schließlich zu Kopfschmerzen führen. In solchen Situationen kann eine Aspirin-Tablette die Schmerzen effektiv lindern und Ihnen helfen, sich zu entspannen, damit Sie sich besser fühlen.

Eine weitere Ursache für Kopfschmerzen ist die Migräne, die oft von starken und pochenden Schmerzen begleitet wird. ­Migräneattacken können sehr belastend sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise hat sich Aspirin in vielen Fällen als wirksame Möglichkeit zur Linderung von Migräne-Symptomen erwiesen.

Selbst Erkältungen und Grippe können Kopfschmerzen verursachen, da sie oft von verstopfter Nase und Fieber begleitet werden. In solchen Situationen kann Aspirin dazu beitragen, die Beschwerden zu mildern und Ihnen dabei helfen, sich schneller zu erholen.

Es ist jedoch wichtig, sich bewusst zu sein, dass Aspirin nicht für jeden geeignet ist und bestimmte Nebenwirkungen haben kann. Es ist ratsam, vor der Verwendung von Aspirin bei Kopfschmerzen oder anderen Beschwerden einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren, um sicherzustellen, dass es für Sie die richtige Wahl ist. Achten Sie auch darauf, die empfohlene Dosierung nicht zu überschreiten.

Insgesamt bietet Aspirin eine bewährte Möglichkeit zur Linderung von Kopfschmerzen, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden können. Dennoch ist es wichtig, die Gründe für Ihre Kopfschmerzen zu verstehen und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen, um die beste Behandlungsoption für Ihre individuellen Bedürfnisse zu finden.

Unauffällig ist etwas anderes. Der Text liest sich auch hier wieder wie ein Lexikonbeitrag. Tatsächlich verhält sich die KI hier aber nicht wie gewünscht und stellt das Produkt Aspirin zu sehr in den Vordergrund, sodass dieser Artikel presserechtlich beanstandet werden könnte. Auch ein Nachschärfen der Anforderungen in „Aspirin nur exemplarisch“ und „Aspirin nur in Klammern“ brachte hier lediglich eine minimale Verbesserung des Ergebnisses. Im sogenannten „Product Placement“, früher Schleichwerbung, sind wir also derzeit noch besser als die KI. Das liegt aber wahrscheinlich vor allem daran, dass Chat GPT nicht auf das deutsche Presserecht geeicht ist.

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die KI im Journalismus ihren Platz finden wird. Ob Mathias Döpfner dazu eine eigene BILD-KI schaffen wird, die stets die Punkte Xenophobie, Homophobie, „Gender-Gaga“ und „Die Grüüüünen“ zu beachten hat? Darauf hat auch Chat GPT keine Antwort.

Fußnoten

[1] https://www.reuters.com/technology/german-media-group-axel-springer-eyes-ai-acquisitions-2023-06-09/

[2] https://innovation.dpa.com/2023/04/03/kuenstliche-intelligenz-fuenf-guidelines-der-dpa/
[3] https://www.heise.de/news/ZDF-plant-mehr-KI-bei-Untertiteln-und-Gebaerdensprache-9344552.html

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