Eine Spurensuche mit persönlichen Bezügen. Die Autoren dieser Reportage wollten nach dem Machtwechsel im Weißen Haus dorthin reisen, wo sich nach dem Fall der Berliner Mauer für sie das Tor zur Welt öffnete. Auf persönliche Initiative des CBS-News-Europa-Korrespondenten Tom Fenton nahmen beide 1990 und 1991 an einem Bildungsprogramm des International Center for Journalists (ICFJ) in den USA teil. Der Kontakt zu Kollegen und Freunden riss über Jahrzehnte nicht ab. Sie wollten erfahren, wie es heute um die gemeinnützige Stiftung steht und wie sich Amerika neun Monate nach der Wahl Donald Trumps verändert hat. Sie fanden die USA im Wandel vor.
Text: Bettina Schellong-Lammel und Bernd Lammel
Fotos: Bernd Lammel
Ankunft in Washington D.C. in den USA
Unser Uber-Fahrer am Flughafen Washington Dulles stellt sich als Terell vor und ist sehr gesprächig. Er fragt, ob wir privat oder beruflich in den USA sind. Als er hört, dass wir für eine Reportage zum Stand der Dinge in der US-Hauptstadt gelandet sind, verkündet der dunkelhäutige Fahrer sofort, dass er Donald Trump gewählt habe. Auf die Frage, warum Trump, gab er gleiche mehrere Antworten: Trump habe versprochen, die Inflation zu stoppen, für die der neue Präsident die Vorgängerregierung als schuldig erklärt hatte, er würde alle Kriege auf der Welt beenden und sich endlich wieder um die kleinen Leute in Amerika zu kümmern. Unser Fahrer wolle auch Geduld mit dem neuen Präsidenten haben, schließlich bräuchten solche Vorhaben Zeit, und manches im Wahlkampf sei eben übertrieben gewesen, wie die Ankündigung, den Ukraine-Krieg innerhalb von 24 Stunden zu beenden.
Leise lief im Autoradio ausgerechnet Bob Dylans „The Times They Are a-Changin’“. Der Song war einst ein Aufruf, sich auf den unaufhaltsamen gesellschaftlichen Wandel einzustellen. Dylan warnte, dass alte Gewissheiten und Hierarchien ins Wanken geraten. Mit Blick auf den Generationskonflikt forderte er, nicht im Widerstand zu verharren, sonst würde man „von der Strömung mitgerissen“. Den Zeitgeist der frühen 1960er Jahre mit Protesten und einer Bürgerrechtsbewegung im Umbruch beschreibt er als unumkehrbar.
Stehen wir wieder vor einer solchen Zeitenwende, die disruptiv über die Gesellschaften der Welt hereinbricht? Kann der Begriff Disruption aus der Tech-Welt überhaupt ins Soziale übertragen werden?
Nach dem Fall der Berliner Mauer war die Ansicht verbreitet, jetzt komme nichts Neues mehr – immerwährende liberale Demokratie. Regieren mit Dekreten ohne die Parlamente einzubeziehen, schien undenkbar.
Der Optimismus der frühen 1990er Jahre überwog auch in den USA
So war auch die Stimmung Anfang der 1990er Jahre, als wir innerhalb des Bildungsprogramms mit Journalisten aus osteuropäischen Ländern an der University of Maryland einen Monat lang Vorlesungen besuchen konnten, bevor wir über verschiedene Bundesstaaten auf Zeitungsredaktionen verteilt wurden. Dort verbrachten wir die nächsten Monate mit weiteren Bildungsangeboten an lokalen Universitäten und praktischer Mitarbeit in Redaktionen. Die direkte Sicht von uns, die den Umbruch in Europa selbst erfahren hatten, nahmen die Kollegen in Gastbeiträgen auf oder fragten beispielsweise in Redaktionskonferenzen wissbegierig, ob Neonazis eine Gefahr im wiedervereinten Deutschland seien.
Koordiniert wurde das Programm damals logistisch vom International Center for Journalists (ICFJ). Heute wollten wir wissen, wie es um die Institution steht, und versuchten, im Vorfeld Kontakt aufzunehmen. Aber niemand meldete sich am Telefon, E-Mails blieben unbeantwortet. Die Hausadresse verschwand von der Website. Im Bürohaus in der 17. Straße am Lafayette-Platz, fußläufig zum Weißen Haus, fanden wir nur leere Büros vor. Am Empfang sortierten sich schon die Nachmieter. Sie versprachen, unsere Kontaktdaten weiterzugeben. Gemeldet hat sich niemand. Bis dahin haben wir nicht erfahren, ob das ICFJ, das zur Hälfte von Zuwendungen aus der U.S. Agency for International Development (USAID) und dem U.S.-Außenministerium abhängt, weiterexistiert oder wo es jetzt seinen Sitz hat.

Zurück in Berlin erfuhren wir von der ICFJ-Präsidentin Sharon Moshavi, dass das ICFJ aufgrund der Kürzungen der US-Entwicklungshilfe (USAID) etwa 30 Prozent seiner Mittel verlor. „Wir mussten daher etwa ein Drittel unserer Mitarbeiter entlassen“, sagte Moshavi. Allein auf Spendenmittel angewiesen, arbeiten die verbleibenden Mitarbeiter im Homeoffice. Das ICFJ wurde bisher außerdem aus Mitteln der U.S. Agency for Global Media (USAGM) mitfinanziert, einer Dachorganisation für internationale US-Auslandsmedien wie Voice of America, Radio Free Europe/Radio Liberty und Radio Free Asia. Förderungen flossen unter anderem in Trainings- und Austauschprojekte. Allerdings unterzeichnete US-Präsident Trump inzwischen ein Gesetz, das bereits bewilligte Zahlungen für Auslandshilfe und öffentliche Rundfunksender in Milliardenhöhe wieder streicht.
Mit der Begründung der Regierung, öffentlich-rechtliche Sender würden „eine parteiische linke Agenda“ verfolgen, wurden außerdem 1,1 Milliarden Dollar für die Corporation for Public Broadcasting gestrichen. Diese Institution koordinierte den öffentlichen Rundfunk NPR, PBS und über 1500 lokale Radio- und TV-Stationen.
Die Demokratische Partei warnte vor Schließungen lokaler Sender, besonders in ländlichen Gebieten, und vor negativen Folgen für internationale Hilfsprogramme in Krisenländern. Selbst die Republikanerin Lisa Murkowski betont die Bedeutung lokaler Sender für Katastrophenwarnungen, wie bei Tsunamis oder Erdbeben.
Selbst vor privaten Kabelnetzen macht die neue Politik der US-Regierung nicht halt. So wurde CBS News zu einem Kollateralschaden der Skydance-Paramount-Fusion.
Eine 28-Milliarden-Dollar-Fusion erschütterte die Medienszene in den USA
Im Januar 2024 bekundete David Ellison, CEO von Skydance, Interesse an einer Übernahme der Mediengruppe Paramount Global. Die 28-Milliarden-Dollar-Fusion erschütterte die Medienszene in den USA. Die Federal Communications Commission (FCC) zögerte mit der Genehmigung der Fusion aufgrund politischer und journalistischer Bedenken. Schließlich wurde die Fusion im Rahmen eines Deals aber doch genehmigt. Paramount zahlte rund 16 Millionen Dollar zur Beilegung einer Klage Donald Trumps wegen angeblich verzerrter Berichterstattung in 60 Minutes zugunsten der Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris. Darüber hinaus verpflichtete sich Skydance zu neutralem Journalismus, richtete einen Ombudsmann ein und strich Diversity-, Equity- und Inklusionsprogramme bei Paramount.
Konsequenzen im traditionellen USA Nachrichtenprogramm CBS
Dies führte zu einem sichtbaren Personalwechsel bei CBS. Bill Owens, Executive Producer von 60 Minutes, trat mit der Begründung zurück, er habe seine journalistische Unabhängigkeit verloren. Kurz darauf verließ auch die CBS-News-Chefin Wendy McMahon das Unternehmen. Die Ankündigung der Einstellung der Late Show with Stephen Colbert kurz nach dessen Kritik an der Fusion wurde vom Unternehmen mit ökonomischen Zwängen entschuldigt. Eine diesbezügliche Interviewanfrage von NITRO bei der CBS-Europa-Zentrale in London wurde abschlägig beschieden.

Der Chef des neuen Skydance-Paramount-Giganten wird David Ellison, Sohn des Oracle-Gründers Larry Ellison. Dieser ging mit Trump seit dessen Wahl eine für ihn überaus lohnende Allianz ein: Sein Konzern ist Teil der 500-Milliarden-Dollar-Initiative der Regierung in die Künstliche-Intelligenz-Infrastruktur. Zudem liebäugelt er mit der Übernahme der von Trump per Dekret verbotenen chinesischen Social-Media-Plattform TikTok. Ellison hatte bereits eine Milliarde Dollar in die Twitter-Übernahme durch Elon Musk investiert.
Politik und Kultur im Konflikt: Das Kennedy Center unter Trump
Einst ein Ort der freien Künste, ist das Kennedy Center for the Performing Arts in Washington, D.C. heute Schauplatz politischer Einflussnahme und verändert sich spürbar. Als bedeutendstes Kulturzentrum der US-Hauptstadt zieht es seit seiner Eröffnung am 8. September 1971 jährlich über zwei Millionen Besucher an. Benannt nach dem 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten, finden dort mehr als 2.000 Veranstaltungen im Jahr statt. Das Museum erinnert an das Leben und Wirken John F. Kennedys. Ausstellungen mit Originalfotos, Plakaten, Fernsehbeiträgen und Zeitungscovern dokumentieren, wie Kennedy – Präsident von 1961 bis zu seiner Ermordung 1963 – Menschen auf der ganzen Welt faszinierte und begeisterte.
Doch das traditionsreiche Haus ist heute Teil eines politischen Konflikts. Donald Trump erklärte sich nur Wochen nach seiner Rückkehr ins Präsidentenamt kurzerhand zum neuen Leiter des Kennedy Centers. In einer Rede Mitte Februar verkündete er: „Wir haben das Kennedy Center übernommen. Uns gefiel nicht, was sie dort zeigen. Wir werden sicherstellen, dass das Programm des Kennedy Centers gut wird und nicht ‚woke‘ ist.“
Das hatte Konsequenzen. Alle demokratisch besetzten Positionen im Haus wurden gestrichen, langjährige Mitarbeiter entlassen. Auch Deborah Rutter, die das künstlerische Gesamtprogramm über elf Jahre leitete, verlor ihre Position. In einem Interview mit NPR (National Public Radio) sagte sie: „Die Aufgabe des Kennedy Center ist es, ein Leuchtturm für die Künste zu sein; für die USA insgesamt. Ich mache keine Propaganda. Ich bin keine Politikerin. Kunst spricht für sich selbst.“

Der ehemalige Botschafter der USA in Deutschland wird berufen
An Rutters Stelle wurde Richard Grenell berufen. Der enge Trump-Vertraute sorgte während Trumps erster Amtszeit als US-Botschafter in Deutschland für Kontroversen. Dort warf man ihm wiederholt Verstöße gegen diplomatische Gepflogenheiten vor, insbesondere durch politische Einmischung in deutsche Angelegenheiten. Welche künstlerischen Schwerpunkte Grenell künftig setzen will, ist bislang unklar. Doch erste Anzeichen lassen auf einen Kurswechsel schließen.
Nachdem Trump mit den Worten zitiert wurde: „Keine Transenshows oder andere antiamerikanische Propaganda mehr“, wurde die Regenbogen-Illumination am Kennedy Center als deutliches Signal an die LGBTQ+-Community und die Kulturszene entfernt. Das Kennedy Center war über Jahrzehnte ein Ort der freien, unabhängigen Kunst, losgelöst von politischer Einflussnahme. Unter der neuen Führung scheint sich das zu ändern. Die Zukunft dieses kulturellen Leuchtturms ist ungewiss, sein künstlerisches Selbstverständnis steht auf dem Prüfstand.
Watergate – Ein Name, der Geschichte schrieb
Gleich neben dem Kennedy Center befindet sich ein Symbol politischer Geschichte – der Watergate-Komplex. Was einst als exklusives Wohn- und Büroensemble geplant war, wurde durch einen Skandal weltberühmt und steht bis heute sinnbildlich für die Macht des investigativen Journalismus. Das Gebäude wurde in den 1960er Jahren erbaut und zählt noch heute zu den bekanntesten Adressen der US-Hauptstadt. Zwar ist es inzwischen sichtbar in die Jahre gekommen, doch die Wohnungen sind nach wie vor begehrt und teuer. Denn der Watergate-Komplex ist mehr als nur ein Ort.

Foto © Bernd Lammel
Bekannt wurde er durch den nach ihm benannten Watergate-Skandal, der in den frühen 1970er Jahren ein politisches Erdbeben auslöste, das die Vereinigten Staaten erschütterte. Damals drangen Einbrecher in das Hauptquartier der Demokratischen Partei ein, das sich in dem Gebäude befand. Ziel war es, die politischen Gegner Präsident Nixons auszuspionieren. Die Einbrecher wurden gefasst, und die Spur führte direkt in die höchsten Kreise der Nixon-Regierung.
Es begann eine beispiellose Aufklärungsarbeit der Presse. Die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post deckten unter der Leitung ihres Chefredakteurs Ben Bradlee Stück für Stück die Zusammenhänge auf. Ihre Recherchen, gestützt auf geheime Quellen wie den legendären „Deep Throat“ (Pseudonym für den geheimen Informanten Mark Felt), führten schließlich zur Aufdeckung einer massiven Vertuschungsaktion, an deren Ende der Rücktritt Richard Nixons am 8. August 1974 stand. Der Watergate-Skandal gilt bis heute als Meilenstein des investigativen Journalismus – und als Mahnung an die politische Macht.

Für uns öffnete sich vor 35 Jahren ein ganz persönliches Kapitel dieser Geschichte. Im Rahmen des Austauschprogramms besuchten wir die Redaktion der Washington Post. Ben Bradlee, damals Chefredakteur, empfing uns persönlich, und wir führten gemeinsam mit Olaf Wilke mit ihm ein Interview für die Berliner Zeitung. Bradlee war eine lebende Legende. Mit ruhiger Stimme sprach er über den Kern seines Berufs, über Haltung, Wahrheitssuche und den Mut im Journalismus.
Bei der Verabschiedung stellte Bernd ihm die Frage: „Was raten Sie jungen Reportern aus Ost-Berlin?“ Bradlee legte den Kopf in die Hände, schwieg lange. Bernd fotografierte ihn in diesem Moment – er war nachdenklich und ernst. Dann antwortete Bradlee leise, aber bestimmt: „Traut keiner Regierung – nirgendwo auf der Welt. Macht und Zeit korrumpieren alle“.
Ein Satz, der blieb– für den freien Journalismus wie der Name Watergate in Washington.




Fotos © 1990 Bernd Lammel – Ben Bradlee im Interview mit Olaf Wilke von der Berliner Zeitung im September 1990 in seinem Büro bei der Washington Post.
Ein geteilter Feiertag: Der 4. Juli unter Donald Trump
Am amerikanischen Unabhängigkeitstag feiern Millionen Menschen in den USA ihre Nation. „Happy 4th!“ – so begrüßen sich die Amerikaner am Nationalfeiertag. Überall in den USA und besonders in der Hauptstadt Washington wird der Feiertag mit Paraden, Musik, Grillfesten und Feuerwerk begangen. Straßen, Parks und Plätze sind in Rot, Weiß und Blau getaucht.
In diesem Jahr hatte das traditionsreiche Fest aber einen anderen Ton. 2025 stand der 4. Juli nicht nur im Zeichen von Feuerwerk und Patriotismus, sondern auch im Schatten politischer Spannungen und eines umstrittenen Gesetzes. US-Präsident Donald Trump nutzte den Feiertag für ein spektakuläres politisches Statement. Er feierte den 4. Juli mit einer Militärparade und anschließender Flugshow – offiziell, um die Piloten zu ehren, die an einem Angriff auf iranische Atomanlagen beteiligt waren. Kritiker sprachen aber von einem Versuch, nationale Symbole für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Am Abend versammelten sich Tausende vor dem Kapitol, wo ein patriotisch inszeniertes Konzert mit amerikanischen Künstlern wie den Beach Boys und den Temptations stattfand. Der Höhepunkt war das traditionelle Feuerwerk über dem Washington Monument, das wie jedes Jahr pünktlich um 21:07 Uhr begann.
Eine glamouröse Kulisse für einen Tag voller Widersprüche. Denn während Raketen den Himmel erleuchteten, hatte Trump am selben Tag das neue Steuer- und Ausgabengesetz unterzeichnet, das unter dem Namen „Big Beautiful Bill“ bereits im Vorfeld für heftige Debatten sorgte. Das Gesetz verspricht Steuererleichterungen in Höhe von 4,5 Billionen Dollar. Es sieht unter anderem vor, dass Steuern auf Trinkgelder und Überstunden entfallen und gleichzeitig Milliardenbeträge in Verteidigung und Grenzsicherung fließen. Doch der Preis ist hoch. Um das Vorhaben zu finanzieren, müssen neue Staatsschulden aufgenommen werden. Zudem sieht das Gesetz massive Einschnitte bei der Krankenversicherung für einkommensschwache US-Bürger vor. Experten und Sozialverbände warnen vor einer dramatischen Verschärfung der sozialen Ungleichheit.
Viele Amerikaner feierten, doch es lag auch eine gewisse Wehmut in der Luft. In Gesprächen mit Menschen auf der Mall wurde deutlich, dass die Euphorie getrübt ist. „Es ist ein schöner Tag“, sagte eine Lehrerin aus Pennsylvania, „aber ich warte immer noch darauf, dass die Preise im Supermarkt oder im Restaurant sinken, wie es uns von Präsident Trump versprochen wurde.“
So wurde der 4. Juli 2025 zu einem Tag zwischen Patriotismus und Protest, Feierlaune und Zukunftssorgen, während das Feuerwerk den Himmel über Washington zum Leuchten brachte.
Bildungsministerium der USA per Dekret geschlossen
Im Sommer 2025 eskalierte in Washington ein Machtkampf um das Bildungsministerium. Präsident Trump, der schon im Wahlkampf angekündigt hatte, die Behörde zu schließen und Kompetenzen an die Bundesstaaten zurückzugeben, setzte seine Pläne unmittelbar nach Amtsantritt in die Tat um.

Mit Linda McMahon als neuer Bildungsministerin begann der radikale Abbau. Am 11. März 2025 entließ sie über Nacht fast die Hälfte der rund 4100 Beschäftigten – darunter ganze Abteilungen für Sprachförderung, Sonderpädagogik und Bürgerrechtsdurchsetzung. Eine Analyse, wie gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben weiterhin erfüllt werden sollten, fand nicht statt. Kurz darauf ordnete Trump per Dekret die „Schließung des Bildungsministeriums“ an und verlangte, zentrale Programme auf andere Behörden zu verteilen.
Zwanzig Bundesstaaten, Schulbezirke und Gewerkschaften klagten. Sie warfen der Regierung vor, ohne Zustimmung des Kongresses eine gesetzlich verankerte Behörde abzuschaffen und damit die Gewaltenteilung zu verletzen. Untere Gerichte gaben ihnen vorerst Recht, stoppten die Kündigungen und verpflichteten das Ministerium zur Wiedereinstellung. Doch der Supreme Court hob diese Anordnungen im Eilverfahren auf und gab der Exekutive damit freie Hand, den Abbau fortzusetzen. In einem scharfen Sondervotum warf Richterin Sonia Sotomayor der Mehrheit im Supreme Court vor, einen verfassungswidrigen Machtgriff zu legitimieren.
Smithsonian Institution in den USA: Bildung für alle kostenlos zugänglich
In Washington D.C. ermöglicht die Smithsonian Institution jährlich Millionen Menschen den freien Zugang zu Wissen, Geschichte und Kunst. Der Museumskomplex gilt als gelebtes Ideal kultureller Teilhabe. Wir sind durch die Ausstellungshallen der National Gallery gestreift und haben uns an die Zeit vor 35 Jahren erinnert, als wir schon einmal dort waren. Wie lange diese einmalige Institution noch ohne Eingriffe der Regierung weiterbesteht ist fraglich. Donald Trump will die Smithsonian-Museen in Washington auf seine Linie bringen. Deren Sicht auf die amerikanische Geschichte ist differenziert und orientiert sich an der Forschung. Es gibt viel politische Kunst, die soll nach dem Willen des Präsidenten weg.
Wer in Europa bislang keine Gelegenheit hatte, weltberühmte Kunstwerke in Amsterdam, Paris oder Rom zu bewundern, kann dies in der US-Hauptstadt nachholen. Die Smithsonian Institution in Washington D.C. zählt zu den größten Museumskomplexen der Welt. Mit über 20 Museen und Galerien verfolgt sie eine klare Mission: Bildung und Kultur sollen für alle Menschen zugänglich sein – unabhängig von Herkunft oder Einkommen.

National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel
National Museum of African American History and Culture beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA von der Versklavung bis in die Gegenwart. Foto: © Bernd Lammel










Zu den bekanntesten Einrichtungen der Smithsonian gehören die National Gallery of Art, das National Air and Space Museum, das National Museum of American History sowie das National Museum of African American History and Culture. Der Eintritt zu allen Museen ist dauerhaft kostenfrei – ein in der internationalen Museumslandschaft seltenes Modell, das jährlich rund 30 Millionen Besucherinnen und Besucher anzieht.
Die National Gallery of Art beherbergt Werke bedeutender Künstler wie Leonardo da Vinci, Rembrandt, Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Claude Monet und Gustav Klimt. Einzigartig ist die unmittelbare Zugänglichkeit zu Kunstwerken, die sonst meist nur in den großen europäischen Museen zu finden sind.
Im National Air and Space Museum lässt sich die Geschichte der Luft- und Raumfahrt hautnah erleben. Ausgestellt sind unter anderem der legendäre „Wright Flyer“ – das erste motorisierte Flugzeug – sowie die Raumkapsel der Apollo-11-Mission, die 1969 die ersten Menschen auf den Mond brachte.
Das National Museum of African American History and Culture bietet Raum für Reflexion, Erinnerung und Erkenntnis. Es präsentiert Werke afroamerikanischer Künstler, beleuchtet die Bürgerrechtsbewegung und erzählt die vielschichtige Geschichte der Black Community in den USA – von der Versklavung bis in die Gegenwart.
Die Smithsonian Institution setzt ein Zeichen für ein inklusives Bildungsverständnis. In einer Zeit, in der Museen vielerorts mit steigenden Eintrittspreisen kämpfen, bleibt Washington ein Ort, an dem Wissen und Kultur nicht vom Geldbeutel abhängt.
Dupont Circle – Spiegelbild der US-Hauptstadt
Am Dupont Circle fing 1990 alles an mit unserem ersten Besuch in Washington, D.C. Den kleinen Plattenladen neben dem Hotel in der New Hampshire Avenue gibt es im Spotify-Zeitalter nicht mehr. Dort tanzte jeden Abend die Putzfrau zur Dauerschleife der angesagten Hits von Whitney Houston. Der lebendige Stadtteil beeindruckt auf mehreren Ebenen: Politisch, kulturell und sozial bietet er eine spannende Mischung, die den Charakter dieses Viertels prägt. Der Dupont Circle ist ein Spiegelbild der amerikanischen Hauptstadt, ein Ort, an dem Politik, Kultur und Gesellschaft aufeinandertreffen und sich gegenseitig beeinflussen. Die Livemusik erklingt wie vor 35 Jahren, und die Schachturniere finden fast jeden Abend statt.

In der Abendsonne sucht die Fotografin Hailey Berg das richtige Licht für ihr Hochzeitsshooting mit Amber Singh und Frankie Deranbu. Als die beiden Frauen in ihren aufwendigen Hochzeitskleidern zur Party verschwinden, sprechen wir noch eine Weile mit Hailey. Die Fotografin lebt von Street Photography, Pressebildern und Hochzeiten. Sie hofft, dass die Hauptstadt ein weltoffener Ort bleibt. „Manches ist hier heute beängstigend“, sagt sie. Ihre Angst scheint nicht unberechtigt, denn am 7. August drohte US-Präsident Trump damit, Washington, D.C. unter direkte Kontrolle seiner Regierung zu stellen. Die Drohung hat er inzwischen in die Tat umgesetzt.
Sozial ist der Dupont Circle ein Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Hintergründe und Ethnien. Hier leben Studierende, Künstler, Diplomaten, Geschäftsleute und Aktivisten nebeneinander.

Der äußere Anschein zeigt noch eine starke Präsenz der Zivilgesellschaft. Die Belegschaft des Safeway-Supermarkts hat die Umgebung mit Regenbogen-Symbolen geschmückt.

Sogar der Zebrastreifen zum Markt ist in Regenbogenfarben bemalt. Gleich um die Ecke liegt das stark frequentierte „Kramers“, ein Buchladen mit Restaurant. Wer eintritt, steht vor einem Regal mit dem Slogan „Democracy Matters“. Genau über dem Schild steht das bibliografisch aufwendig gestaltete Hardcover des Buches „On Tyranny“ („Über Tyrannei“) von Timophy Snyder. Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sagt über das Buch, dass uns Snyder keine Illusionen über uns selbst lässt.
Es war eine gute Entscheidung dieses Exemplar sofort zu kaufen. In den nächsten Tagen war es ausverkauft. Neben Snyders Buch standen unter anderem Büchern von Anne Applebaum, Noam Chomsky und Jason Stanley.
Hoffnung auf eine lebendige Demokratie
Unsere Begegnungen mit dem Lehrer Christopher Legg aus Baltimore, der täglich eine Stunde lang vor dem Weißen Haus gegen den Präsidenten demonstriert, dem Familienvater Jeppter Munchu, der Dokumentarfilmerin Avida Kempner, dem „Truth conductor“ Don Folden oder spontane Gespräche mit Jugendlichen lassen hoffen, dass in den USA eine lebendige Demokratie und streitbare Zivilgesellschaft lebendig bleiben.
Auf dem langen Rückflug war Snyders kompaktes Handbuch „On Tyranny“ über den Schutz der Demokratie ein erhellender Begleiter. Inspiriert von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts mit Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus zieht er in zwanzig klar formulierten Lektionen Lehren aus der Geschichte und zeigt, wie sich Bürger gegen den schleichenden Abbau von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wehren können.
Dazu gehört, frühzeitig zu reagieren und nicht zu warten, bis autoritäre Tendenzen unumkehrbar sind. Es gilt, Institutionen zu verteidigen. Gerichte, Presse, Parlamente brauchen aktive Unterstützung. Bürger müssen Verantwortung übernehmen und nicht blind Autoritäten oder Mehrheiten folgen. Es gilt, die Sprache zu schützen und Propaganda und gezielte Desinformation zu entlarven. Solidarität als Bürgerpflicht, um Minderheiten beizustehen und gesellschaftliche Spaltung bekämpfen. Es kommt darauf an, Mut zu zeigen.
Der Weckruf gilt nicht nur den USA, denn die Demokratie ist weltweit verletzlich, und jeder Einzelne trägt Verantwortung, sie im Alltag zu verteidigen.
Text: Bettina Schellong-Lammel und Bernd Lammel
Fotos: Bernd Lammel
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