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“50 Jahre Modern Soul Band”

Modern Soul Band mit Klaus Lenz

Der Musikproduzent Jörg Stempel über ein Konzert, das ihn ganz persönlich berührte. Die Modern Soul Band war eine musikalische Ausnahmeerscheinung in der DDR. Sie wurde 1968 gegründet und spielt heute noch.

Obwohl ich eigentlich Beatles-Fan bin, haben mich die Live-Konzerte von Modern Soul Band mit Jazz, Funk und Grooves regelrecht „infiziert“. Neben meiner Vorliebe für die Beatles und all die Ableger des Britpop, hat mich dieser andere Virus nie wieder verlassen.

Viele Wellen und Wogen musikalischer Trends von inspirierenden Bands und nachhaltigen Songs haben mich eine Weile mitgetragen, aber diese beiden „Grundrichtungen“ begleiten mich, nein – begeistern mich, bis heute.

Bei Modern Soul war das Besondere, dass mich als Nichttänzer ihre Konzerte automatisch in rhythmische Bewegung versetzten. Bei Tekkno ist mir das nie passiert, bei Soul hat mich die Begeisterung jedes Mal mitgerissen.

Diese Art Musik mit deutschen Texten hat in den 1970er Jahren in Deutschland noch keiner gespielt. Die Band hat das auch nicht ganz freiwillig gemacht. Aber wer in die Medien wollte, durfte in der DDR bei Amiga oder im Rundfunk nur in seiner Muttersprache produzieren.

Soul music auf Deutsch. Wo gibt es so etwas?

Da war es vor allem live mutig, im Konzert gegen seine eigenen Vorbilder (Otis Redding, Aretha Franklin. James Brown, Wilson Pickett, Sam & Dave u.a.) mit eigenen deutschen Songs anzutreten. Das hat MSB mit Bravour praktiziert und es hat der Band nicht geschadet. Sie haben immer Konzerte gespielt und Platten auf Deutsch veröffentlicht. Bis heute.

Nun haben sie wie die Stones und Omega die 50er Marke geknackt. Am 31.5.2018 spielten sie im Kesselhaus der Kulturbrauerei ihr Jubiläumskonzert und veröffentlichten dazu eine neue CD.

Zum Konzert kamen sie alle: Auf der Bühne standen bisweilen 20 Musiker und im restlos ausverkauften Saal gab es ein Quasi-Klassentreffen erwachsener und neuer Fans. Keine andere Band war so häufig „Erfahrungsstation“ für viele Musiker, um Virtuosität, Improvisationsvermögen und Ensemblespiel zu lernen.

Von Hassbecker (Silly) über Piatkowski (Renft) bis zu Regine Dobberschütz und Uschi Brüning – zwei der besten deutschen Jazzsängerinnen – sie alle spielten und sangen irgendwann bei MSB – vom großartigen und bis heute prominenten Bläsersatz ganz zu schweigen !

Diaschau: Das Konzert der Modern Soul Band im Kesselhaus der Kulturbrauerei Berlin am 31. Mai 2018 – Alle Fotos © Bernd Lammel

50 Jahre Modern Soul
Foto © Bernd Lammel / DEU / Berlin /
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50 Jahre Modern Soul
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Klaus Lenz als seltener Gast in Berlin

Und letztlich stand da auch noch eine ganz andere Legende auf der Bühne: Der großartige Klaus Lenz. Er war einst Nestor des DDR-Jazz. Lenz verlies 1977 die DDR. Als langjähriger Bandleader von Manfred Krugs Live Orchester und Freund von Modern ließ er es sich an diesem Abend nicht nehmen ließ, seine Instrumente Trompete und Flügelhorn zu spielen. Bei einem der schönsten Songs des neuen Albums und des Konzerts begleiteten er und Bandleader Hugo Laartz am E-Piano Uschi Brüning bei dem Song „Zeit vergeht“.

Eine neue CD zum Jubiläum

Die neue CD „Himmel & Hölle“ und das Konzert kommen gleichsam wie eine Zeitreise daher. Alte und neue Songs wechseln einander ab. Auch Klassiker aus ihrer „Nachspielzeit“ fehlen nicht – vom Soul-Medley bis zu Blood, Sweat & Tears‘ „ Hi – De – Ho“. Das Publikum ist begeistert und feiert die Band enthusiastisch. Dreieinhalb Stunden spielen die Musiker von MSB. Der Älteste ist über 80 – der Jüngste über 50.

Ihre Musik hält sie und ihr Publikum jung. Das kann man auch dank ihres Jubiläums-Albums nachhören. Hugo Laartz und Ferry Grott – als Produzenten – haben zwei Jahre mit den vielen beteiligten Musikern im Studio daran gearbeitet.

Groovende Party-Hits wechseln sich mit leiseren Tönen ab, alte Klassiker wie „Himmel und Hölle“, „Schlafen geh’n“ (beide vom 1976er Album „Modern Soul Band“), „Hallo alter Junge“, „Mr. Wonder“ (im Medley) oder „Sommer in Berlin“ (vom 2008er Album „Highway Rock“) sind neu arrangiert und mischen sich mit aktuellen Aufnahmen. Alles klingt zeitlos und wie aus einem Guss.

Ein würdiger Abschied in der Berliner Kulturbrauerei

Zum Schluss kann man eine Portion Abschied heraushören. „Bye Bye“ und „Zeit vergeht“ sind sicher nicht zufällig am Ende des Albums platziert und erinnern die Modern-Gemeinde daran, dass dies das 50. Jubiläum war…

MSB war nie eine „Massen-Combo“, wie zu DDR-Zeiten Karat oder die Puhdys. Aber das spricht weder gegen die eine noch für die anderen Bands. Die Modern Soul Band ist über die Jahre ihrem Stil treu geblieben, auch wenn sie damit nicht so populär, vielleicht auch nicht so wohlhabend wie andere geworden ist.

 

Jörg Stempel –

Fan der ersten Stunde

 

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