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Heft 26 Hörfunk Top

“… so other people can hear what you say”

… so other people can hear what you say

Deutsches Rundfunkarchiv: 65 Jahre Programm mit Geschichte

Von Findhilfen über Befundungssysteme: Auch wenn Fachbegriffe die typischen Klischees eines Archivs aufrufen, stehen dahinter doch moderne Aufgaben. Dabei treibt die Rundfunkgeschichte durchaus auch heitere Blüten, etwa dass viele Dokumente aus der Nachkriegszeit wohl längst verloren gegangen wären, hätten Ost und West sich nicht stets misstraut und vieles akribisch archiviert. Angelika Hörth, Geschäftsleiterin des DRA, erlaubt uns einen Einblick in eines der großen Medienarchive der Bundesrepublik.  

Mit über 150 000 Stunden Ton- und Filmaufnahmen, 7,5 Kilometern Schriftgut und mehr als 2,5 Millionen Fotos zählt das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) im 65. Jahr seines Bestehens zu den großen Medienarchiven in der Bundesrepublik Deutschland. 1952 als „Lautarchiv des Deutschen Rundfunks“ gegründet, bewahrt die als Stiftung organisierte, älteste Gemeinschaftseinrichtung der ARD an seinen beiden Standorten in Frankfurt am Main und Potsdam-Babelsberg wesentliche Teile der audiovisuellen Überlieferung Deutschlands. Dazu zählt mit einem von Thomas A. Edison persönlich gesprochenen Brief aus dem Jahr 1888 auch eine der ersten Tonaufzeichnungen überhaupt, deren Intention der Erfinder pragmatisch auf den Punkt bringt: „… so other people can hear what you say”.

Die Geschichte einer medialen Gesellschaft kann nicht ohne die Quellen aus Funk und Fernsehen erzählt werden, die als einmalige zeitgeschichtliche Zeugnisse Teil des Kulturerbes sind. Nicht wenige weltpolitische Ereignisse sind in unserer Erinnerung mit der Berichterstattung in den Massenmedien verknüpft. Dazu zählen ganz sicher Bau und Fall der Berliner Mauer. Als zentrale Wendepunkte deutsch-deutscher Geschichte sind sie im kollektiven Gedächtnis ganz unmittelbar mit den im DRA überlieferten O-Tönen „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ (Walter Ulbricht am 15. Juni 1961) und „Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort – unverzüglich …“ (Günter Schabowski am 9. November 1989) verbunden. Beide Aufnahmen gehören seit 2011 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“.

Die Archivbestände, die manchmal auf verschlungenen Wegen ins DRA gelangt sind, setzen sich im Wesentlichen aus der Überlieferung des Rundfunks vor 1945 sowie dem Programmvermögen von Hörfunk und Fernsehen der DDR zusammen. So konnten 1956 im Zuge der Rekonstruktion des durch Krieg, Besatzung und deutsche Teilung in der ganzen Welt verstreuten Schallarchivs der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft  rund 4 500 Tonaufnahmen aus dem Archiv der British Broadcasting Corporation in London kopiert werden. Baggerarbeiten in Oslo förderten wiederum 250 Tonbänder zu Tage, darunter Mitschnitte der für deutsche Propaganda- und Tarnzwecke ins Leben gerufenen Bigband Charlie and His Orchestra, die von 1939 bis 1945 vor allem Musik jüdischer Komponisten und amerikanischer Swing- und Jazzsänger über Kurzwelle in den Äther geschickt hatte.

Große Überlieferungslücken konnte das DRA zudem durch Übernahmen von Belegkopien der sogenannten „Ost-Aufzeichnungen“ des DDR-Hörfunk- und Fernsehprogramms schließen, die vom Gesamtdeutschen Institut und seinen Vorläufern sowie von einzelnen ARD-Rundfunkanstalten und dem ZDF zwischen 1957 und 1991 beauftragt beziehungsweise angefertigt worden waren.

(…)

VON ANGELIKA HÖRTH, Fotos Bernd Lammel

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