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BIERMANN – Jens Meurers Dokumentarfilm über den unbeugsamen Charakter
Wolf Biermann inmitten des Filmteams auf der Premiere im Berliner Kino International - Foto © Bernd Lammel
Allgemein

BIERMANN – Jens Meurers Dokumentarfilm über den unbeugsamen Charakter 

BIERMANN – ein unbeugsamer Charakter – Jens Meurers Wolf Biermann Dokumentarfilm 2026 startet am 29. Oktober im Kino 

Zum 90. Geburtstag von Wolf Biermann zeichnet Regisseur Jens Meurer das Porträt eines Künstlers, dessen Werk untrennbar mit der deutsch-deutschen Geschichte verbunden ist. Nach Premieren in Hamburg, Berlin und Köln wurde der Dokumentarfilm mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations gefeiert.

Text: Bettina Schellong-Lammel, Fotos: Bernd Lammel

Wolf Biermann prägt seit mehr als sechs Jahrzehnten die politische und kulturelle Debatte in Deutschland. Der Liedermacher und Lyriker polarisiert, provoziert und hinterfragt gesellschaftliche Gewissheiten. Anlässlich seines 90. Geburtstags im November 2026 widmet sich Regisseur Jens Meurer in seinem Wolf Biermann Dokumentarfilm 2026 „BIERMANN“ dem Leben und Werk einer der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Biermanns politische Wandlungen und Ambivalenzen sorgten oft für Überraschungen. Als überzeugter Kommunist und Sozialist hoffte er jahrzehntelang auf Reformen. Die Abkehr vom Traum eines sozialistischen Deutschland vollzog sich in Etappen. Selbst nach seiner Ausbürgerung aus der DDR glaubte er an einen demokratischen Kommunismus. Die Hoffnung auf einen demokratischen Sozialismus in der DDR dämpfte sich nach der Niederschlagung der polnischen Solidarność-Bewegung durch das Kriegsrecht Ende 1981.
Die Begegnungen mit dem Schriftsteller Manès Sperber in Paris wird zu einem entscheidenden intellektuellen Wendepunkt. Biermann: „Der hat mir den kommunistischen Zahn gezogen“

Wolf Biermann auf dem Cimetière de Montmartre, Paris, auf dem Weg zum Grab von Heinrich Heine. © Majestic / Sebastian Ganschow, Bernd Fischer
Wolf Biermann auf dem Cimetière de Montmartre, Paris, auf dem Weg zum Grab von Heinrich Heine. © Majestic / Sebastian Ganschow, Bernd Fischer

Der Film nähert sich Biermann über seine Musik, seine Sprache und historische Aufnahmen. Begegnungen mit jungen Künstlerinnen und Künstlern, Politikerinnen und Politikern sowie Mitgliedern seiner Familie verbinden sich mit teils unveröffentlichtem Archivmaterial. So entsteht ein persönliches Porträt, das die Biografie des Künstlers mit den politischen Umbrüchen Deutschlands verknüpft. Der ungewöhnliche Lebenslauf eines jungen Mannes, der mit 17 Jahren aus Hamburg in die DDR übersiedelt, weil er das Vermächtnis seines Vaters erfüllen will, der als Kommunist in Nazideutschland verfolgt wurde und 1943 als Jude in Auschwitz ermordet wurde.

Das Kölner Konzert und seine historischen Folgen

Ein zentraler Abschnitt des Films ist Biermanns legendäres Konzert in Köln im November 1976. Der Auftritt im Westen wurde zum Wendepunkt: Wenige Tage später entzog ihm die DDR die Staatsbürgerschaft. Die Ausbürgerung löste erhebliche Proteste unter Künstlern und Intellektuellen aus und gilt als ein einschneidendes Ereignis der DDR-Kulturgeschichte.

Wolf Biermann bei seinem berühmtesten Konzert: In der Kölner Sporthalle im November 1976. © Wolfgang Steche
Wolf Biermann bei seinem berühmtesten Konzert: In der Kölner Sporthalle im November 1976. © Wolfgang Steche

Jens Meurer verbindet die Ereignisse von damals mit Biermanns künstlerischem Schaffen bis in die Gegenwart. Neben historischen Dokumenten und Ausschnitten des Kölner Konzerts fließen auch Aufnahmen eines Konzerts aus dem November 2025 in die filmische Erzählung ein. Der Rückblick wird damit zu einer Auseinandersetzung mit der Frage, welche Bedeutung Biermanns Werk heute noch besitzt.

Premiere im historischen Kino International in Berlin

Nach der gefeierten Premiere in Hamburg sorgte Wolf Biermann auch im historischen Kino International in Berlin für einen besonderen Kinoabend. Zahlreiche Gäste feierten den mit dem Gilde-Filmpreis ausgezeichneten Dokumentarfilm von Regisseur Jens Meurer mit langanhaltendem Applaus.

Beim anschließenden Bühnengespräch mit Moderatorin Marieke Reimann gewährte Biermann dem Publikum einen persönlichen Einblick in seine Geschichte. Er erzählte von einer besonderen Verbindung, die ihn mit dem geschichtsträchtigen Kino International verbindet. Dabei hielt es den Liedermacher nicht lange auf der Bühne: Mitten in seiner Erzählung begab er sich unter die Zuschauer und suchte die unmittelbare Nähe zum Publikum. Die spontane Begegnung machte den Premierenabend zu einem ebenso bewegenden wie ungewöhnlichen Erlebnis.

Die Berliner Premiere zeigte eine weitere Facette des Künstlers: Neben seiner politischen Haltung und seiner sprachlichen Schärfe ist es auch seine Fähigkeit, Menschen mit persönlichen Geschichten und pointierten Anekdoten unmittelbar anzusprechen.

Köln: Rückkehr an einen historischen Ort

Auch in Köln wurde die besondere Verbindung zwischen Wolf Biermann und der deutschen Geschichte deutlich. In der ausverkauften Kölner Philharmonie stellte der Liedermacher gemeinsam mit Regisseur Jens Meurer den Dokumentarfilm im Rahmen des Film Festivals Cologne vor. Der Abend endete mit Standing Ovations.
Köln ist für Biermann ein Ort von besonderer historischer Bedeutung. Vor genau 50 Jahren gab er dort jenes Konzert, dessen Folgen wenige Tage später zu seiner Ausbürgerung aus der DDR führten.

Ein Künstler als Spiegel deutscher Geschichte

„BIERMANN“ ist ein Dokumentarfilm von Jens Meurer. Der mit dem Europäischen Filmpreis und einem Golden Globe ausgezeichnete Regisseur erzählt Biermanns Lebensgeschichte als Verbindung von persönlichen Erinnerungen, künstlerischer Entwicklung und politischer Zeitgeschichte.

Im Mittelpunkt stehen Biermanns Herkunft, seine Hinwendung zur Musik, sein Wirken in der DDR, das Kölner Konzert von 1976 und die Folgen seiner Ausbürgerung. Zugleich richtet der Film den Blick auf sein künstlerisches Arbeiten bis in die Gegenwart. Biermann erscheint dabei nicht nur als Zeitzeuge, sondern als Künstler, der gesellschaftliche Gewissheiten immer wieder infrage stellt. Er löst dabei auch nicht erwartete Kontroversen aus. So geschehen, als er das militärische Eingreifen der USA unter George W. Bush gut hieß.

Produziert wurde „BIERMANN“ von Instant Film in Zusammenarbeit mit Zeitsprung Pictures, Clouds Hill und zero fiction film. Als Koproduzenten sind der WDR, der NDR und der MDR beteiligt. Fördermittel kamen unter anderem von der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der Film- und Medienstiftung NRW, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem Deutschen Filmförderfonds.

„BIERMANN“ startet am 29. Oktober 2026 bundesweit im Kino. Kurz vor Wolf Biermanns 90. Geburtstag lädt der Film dazu ein, sich erneut mit einem Künstler auseinanderzusetzen, dessen Biografie eng mit den politischen Konflikten des geteilten Deutschlands verbunden ist – und dessen Stimme bis heute Debatten auslöst.

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