Was ist eigentlich an Online-Recherche neu oder gegenüber den „traditionellen” Formen der Recherche anders? Online-Recherche ist das Arbeiten mit Dateien aus dem Internet. So banal dieser Satz wirkt, so unauffällig, so leicht er überlesen wird – darin stecken drei Ansätze, Informationen zu bekommen. Zwei davon sind neu.
Jede Datei hat zuerst einmal einen Inhalt, sei das eine Textdatei (zum Beispiel eine Webseite, ein Word-Dokument oder eine PDF-Datei), eine Tabelle oder eine Powerpoint-Präsentation. Oder Bilddateien, wie sie hier zur Illustration verwendet werden. Zweitens hat jede Datei „Metadaten”, versteckte Daten, die bei der normalen Betrachtung am Bildschirm oder beim Ausdruck nicht zu sehen sind. Sie sind aber trotzdem da. Und drittens hat jede Datei im Internet eine Adresse (umgangssprachlich die Webadresse, fachsprachlich der Uniform Resource Locator, abgekürzt URL). Jede dieser drei Dateien – Inhalt, Metadaten und Adresse – bietet Ansatzpunkte für Recherchen. Der Einfachheit halber und zur Illustration einige Bilddateien als Beispiele.
Der Inhalt der Datei
Jede Datei hat ihren Inhalt. Bei Textdateien ist das der Text, bei Tabellen sind es die Zahlenkolonnen, bei Bildern das, was sie zeigen. Diesen Inhalt kann – muss! – man mit gesundem, kritischem Verstand zur Kenntnis nehmen. Hier ein Beispiel für den manipulierten Inhalt einer Datei, die man mit kritischem Bewusstsein in dieser Bilddatei erkennen kann.Im Jahr 2008 veröffentlichten iranische Medien Bilder eines Teststarts von Mittelstreckenraketen des Typs Shahab-3. Das war als Demonstration militärischer Stärke gemeint: Greift uns ja nicht an, wir haben fürchterliche Waffen! Zu sehen sind vier startende Raketen, deren Abschussrampen von Rauchwolken verdeckt werden.
Über solch ein Bild beugen sich selbstverständlich weltweit die Militärexperten, zücken dabei die ganz große Lupe und schauen sich jedes Pixel einzeln an. Klar ist: Jede Rauchwolke, die bei einem Raketenstart entsteht, ist einzigartig. Keine Rauchwolke gleicht einer anderen, jede ist individuell und chaotisch. Starten vier Raketen, hat jede der vier Rauchwolken ihr individuelles Aussehen.
Nicht so bei dem im Iran verbreiteten Bild (Abb. 1): Der Experte Mark Fitzpatrick vom Londoner International Institute für Strategic Studies (Internationales Institut für Strategische Studien, IISS) erkannte schnell, dass diese Rauchwolken merkwürdig sind. Bei den beiden rechten Raketen gleichen sich je zwei Ausschnitte. Das ist ein Hinweis auf eine Fotomontage – und eine stümperhafte dazu.
Das erst später und unter öffentlichem Druck veröffentlichte Originalbild (Abb. 2) zeigt deutlich, dass nur drei der vier Raketen tatsächlich starteten. Das ist kein Beweis militärischer Stärke mehr.
Eine solche stümperhafte Bildfälschung führt in Zeiten des Internets selbstverständlich zu hämischen Reaktionen. Das Bild des Raketentests gehört zu den meistpersiflierten Bildern des Jahres 2008, nur ein Beispiel zeigt die Abbildung 4.
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Albrecht Ude
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